„Ich höre dir nicht nur zu. Ich höre hin.“
Zu laut, zu schnell, zu sensibel
So bin ich. Zumindest wurde mir das im Laufe meines Lebens immer wieder gesagt. Und ja, ich rede gern, denke viel und nehme intensiv wahr.
Früher sah ich das als Schwäche. Heute weiß ich: Genau diese Art, die Welt zu fühlen und zu verstehen, bereichert meine Arbeit. Sie lässt mich wahrnehmen, was andere vielleicht übersehen, und aussprechen, was andere nur denken.
Mitten im Leben
Ich bin selbst Mama von zwei Jungs im Grundschul- und Kindergartenalter. Und ich kenne diese Momente, in denen die Theorie aus all den klugen Ratgebern an der Realität des Familienalltags einfach verpufft.
Wenn man am Ende des Tages am Bett der Kinder steht, mit dem Gefühl, es wieder verbockt zu haben, und dem festen Vorsatz: Morgen wird alles besser. Nur um sich bereits am nächsten Morgen beim Frühstück dabei zu ertappen, wie man motzt, weil zu viel Milch ins Müsli geschüttet wurde.
Erst als ich verstanden habe, wie sehr sich das schlechte Gewissen und die immer größer werdende Erschöpfung gegenseitig beeinflussen, ergab alles einen Sinn. Ich habe gelernt, dass ich diesen Kreislauf nicht mit noch mehr Anstrengung durchbrechen kann und dass es erst dann leichter wird, wenn ich aufhöre, so hart zu mir zu sein.
Mein Weg hierher

Viele Jahre habe ich als medizinische Fachangestellte in der Pädiatrie gearbeitet: Vorsorgen, Entwicklungsgespräche, Eltern begleiten, Unsicherheiten auffangen. Mit der Zeit wurde mir klar, wie sehr der Druck auf Familien wächst und wie wenig Zeit im medizinischen Alltag bleibt, um wirklich zuzuhören.
Später kam die Arbeit in einer kinder- und jugendpsychotherapeutischen Praxis dazu. Ich habe gesehen, wie die Wartelisten immer länger wurden und wie viele Familien Unterstützung suchen. Fragen, Sorgen, Überforderung, Orientierungslosigkeit – Themen, die Raum brauchen, aber nicht immer zwingend Therapie.
An diesem Punkt wusste ich: Ich möchte etwas bewirken, aber das schaffe ich nicht in diesem System.
Die Ausbildung zur BINDU®-Familienbegleiterin war für mich der entscheidende Schritt, um diese Lücke zu schließen. Hier habe ich endlich das gefunden, was mir bisher gefehlt hat: Zeit, um wirklich hinzuhören, und eine flexible Struktur, die sich der Familie anpasst – nicht umgekehrt.
Heute verbinde ich meine Erfahrungen als Mutter, mein Wissen aus der Pädiatrie, meine Wahrnehmung für Zwischentöne und das BINDU®‑Konzept zu einer Haltung, die meine Arbeit trägt:
Klar, ehrlich und ohne Schuldfrage.
Denn ich schaue genau hin, um zu verstehen – nicht um zu bewerten.